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News
27.03.2026

Der Industrial Accelerator Act der EU-Kommission: Industriepolitik für eine neue geopolitische Realität

Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) hat die Europäische Kommission Anfang März 2026 einen neuen industriepolitischen Vorschlag vorgelegt, der die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie stärken und gleichzeitig die Dekarbonisierung beschleunigen soll.

Der Vorschlag ist Teil der europäischen Strategie für eine klimaneutrale Wirtschaft und steht im Zusammenhang mit zunehmender geo-politischer Konkurrenz – insbesondere mit China und den USA. Ziel ist es, industrielle Produktion stärker in Europa zu verankern, Innovation zu fördern und neue Märkte für klimafreundliche Produkte zu schaffen („Grüne Leitmärkte“).

Der IAA ist eng mit dem Programm Clean Industrial Deal verbunden und stellt einen wichtigen Baustein der europäischen Industrie- und Klimapolitik dar.

Hintergrund:

Die europäische Industrie steht derzeit unter starkem Druck. Mehrere Faktoren haben die Debatte über eine aktivere Industriepolitik ausgelöst:

•    Steigende Energiepreise in Europa
•    Starke staatliche Förderprogramme in anderen Wirtschaftsräumen (z. B. USA oder China)
•    Zunehmende geopolitische Spannungen und Abhängigkeiten in Lieferketten
•    Die Herausforderung der industriellen Dekarbonisierung

Langfristig strebt die EU an, den Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt wieder deutlich zu erhöhen. Ziel ist es, den Anteil der industriellen Produktion auf etwa 20 % bis 2035 zu steigern.

Zentrale Maßnahmen des Industrial Accelerator Act:

Der Gesetzesvorschlag enthält mehrere Instrumente, mit denen Investitionen und die Produktion in Europa beschleunigt werden sollen.

1.    „Made in Europe“-Regeln in der öffentlichen Beschaffung

•    Stärkere Nutzung der öffentlichen Beschaffungspolitik 
•    Bei staatlich finanzierten Projekten sollen künftig Mindestanteile europäischer Produktion vorgeschrieben werden

Beispiele:

•    Elektrofahrzeuge, die mit öffentlichen Mitteln beschafft werden, müssen einen hohen Anteil an EU-Komponenten enthalten
•    Wichtige Technologien wie Solarmodule, Windkraftanlagen oder Batterien sollen stärker in Europa produziert werden

2.    Nachfrage nach klimafreundlichen Industrieprodukten („Grüne Leitmärkte“)

•    Märkte für CO2-arme Materialien und Technologien schaffen
•    5 % Quote für die Beschaffung von CO2-reduziertem und in der EU hergestelltem Beton und Mörtel – mindestens 5 % des für 
      die Errichtung öffentlicher Gebäude und Infrastruktur eingekauften Beton und Mörtel müssen ab dem 1. Januar 2029 CO2 
      reduziert und in der EU hergestellt worden sein („made in EU“)
•    Strategisch eingestufte Baustoffe: Der IAA stuft bestimmte Net-Zero-Technologien als strategisch „mit innovativem
      Potential“ ein

-     Hierzu zählen auch einzelne BBS-Branchen, zusammengefasst unter dem NACE Code C23
-     Damit zählen auch die Baustoffe Kalksandstein und Porenbeton zu den „strategisch eingestuften Baustoffen“ 
       (NACE Code 23.61)

3.    Beschleunigung von Genehmigungsverfahren

•    Ziel, Investitionen schneller umzusetzen
•    Mitgliedstaaten sollen digitale und vereinfachte Genehmigungsverfahren für industrielle Projekte einführen
•    Unternehmen sollen künftig über ein einheitliches digitales Genehmigungsportal Projekte beantragen können, wodurch
      bürokratische Hürden reduziert und Investitionen beschleunigt werden sollen

Fazit: 
Der Industrial Accelerator Act markiert einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung der Europäischen Industriepolitik. Durch gezielte Nachfragepolitik, Investitionsanreize und regulatorische Reformen soll die industrielle Transformation hin zu klimafreundlicher Produktion beschleunigt werden.
Ob der Vorschlag seine Ziele erreicht, hängt jedoch stark von der konkreten Ausgestaltung und der politischen Einigung zwischen EU-Parlament, Mitgliedstaaten und der Industrie ab.

Vorgaben zur bevorzugten Beschaffung von klimafreundlichen Grundstoffen erarbeitet auf nationaler Ebene parallel auch die Bundesregierung. Momentan wird das Vergabebeschleunigungsgesetz im Bundestag verhandelt und eine Vergabeverordnung vorbereitet. Eine inhaltliche Abstimmung mit dem Industrial Accelerator Act ist jedoch unwahrscheinlich.