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Presse | Klima, Energie und Umwelt | Aktuelles vom Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V.
29.04.2026

250 Millionen Euro für das Klima: Region Hannover legt Investitionsprogramm vor

Mittel für Ausbau Erneuerbarer Energien, Renaturierung von Mooren und mehr

Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kalksandstein-Verbandszentrale in Hannover-Ledeburg – Beispiel für geförderten Ausbau erneuerbarer Energien im Investitionsprogramm Klima der Region Hannover
Luftaufnahme des Kalksandstein-Verbandsgebäudes in Hannover mit Parkplatz und begrüntem Umfeld – Standortbeispiel für klimafreundliche Energieversorgung durch Photovoltaik im Rahmen der regionalen Energiewende

Region Hannover. Die Region Hannover investiert in den nächsten zehn Jahren rund 250 Millionen Euro in Klimaschutz und -anpassung. Das hat die Regionsversammlung jetzt beschlossen. Das Investitionsprogramm Klima bündelt dafür 25 Klima-Maßnahmen aus den Bereichen natürlicher Klimaschutz, Ausbau erneuerbarer Energien, Klimaanpassung sowie Transformation der Wirtschaft und sichert die Finanzierung bis 2035.

Worum geht es beim Investitionsprogramm Klima?
 

Das Investitionsprogramm ist der neue, langfristige und strategische Handlungs- und Finanzierungsrahmen der Region Hannover für den Bereich Klima in den Jahren 2026 bis 2035. Die vorgesehenen Investitionen von rund 250 Millionen Euro entsprechen rund acht Prozent der Gesamtinvestitionen der Region Hannover in diesem Zeitraum. Das Programm verfolgt dabei mehrere Ziele: Es soll einen starken Beitrag zur Klimaneutralität bis 2035 leisten, mehr Klimaresilienz schaffen, soziale Gerechtigkeit stärken und die Region wirtschaftlich nach vorne bringen.

Jens Palandt, Erster Regionsrat und Klimadezernent der Region Hannover, sagt: „Mit dem Investitionsprogramm Klima setzen wir jetzt ein klares Signal: Wir nehmen unser Klimaziel ernst, investieren auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten in die Zukunft der Region und schaffen damit Verlässlichkeit für die nächsten zehn Jahre.“

Wie will die Region den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen?
 

Margarete Albes, Leiterin des Fachbereichs Energie und Klima, ist für die fachliche Ausgestaltung des Investitionsprogramms verantwortlich. Sie erläutert: „Unser Klimaziel ist nur erreichbar, wenn wir auch beim Ausbau von Erneuerbaren Energien deutlich an Tempo gewinnen. Wir bauen unsere Förderprogramme deshalb so aus, dass sie dort wirken, wo Standardlösungen nicht ausreichen oder Projekte an der Wirtschaftlichkeitsschwelle stehen. Diese Impulse können dafür sorgen, dass Investitionen getätigt werden, die um ein Vielfaches über die Förderung hinausgehen und die Energiewende in der Region entscheidend voranbringen.“

Größtes Förderprogramm ist die Dach-Solar-Richtlinie mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren. Die Förderung richtet sich an alle Gebäudeeigentümer*innen in der Region, die eine Photovoltaik-Anlage errichten und dabei gleichzeitig ihr Dach isolieren. Fördergeld gibt es für jeden gedämmten Quadratmeter Dachfläche und für jeden Quadratmeter PV, der über das gesetzliche Mindestmaß hinausgeht. Damit will die Region insbesondere kommunale Einrichtungen und Unternehmen dazu anregen, ihre großen Dachflächen vollständig mit PV-Paneelen zu belegen.

Wie die Umsetzung in der Praxis aussehen kann, zeigt der Bundesverband Kalksandsteinindustrie e.V. in Hannover. Das Dach der Verbandszentrale in Hannover-Ledeburg wurde im Frühjahr 2023 energetisch saniert. Dafür gab es rund 30.000 Euro Förderung aus dem Dach-Solar-Topf. Für Geschäftsführer Roland Meißner war das eine ökologische und wirtschaftliche Entscheidung: „Mit der energetischen Dachsanierung und der Installation unserer Photovoltaikanlage mit knapp 100 kWp Leistung haben wir einen wichtigen Schritt in Richtung klimaneutrale Verbandsarbeit gemacht. Die Anlage erzeugt jährlich rund 85.000 kWh Strom, von denen wir etwa 60 Prozent direkt selbst nutzen können – unterstützt durch ein Batteriespeichersystem. Dadurch erreichen wir eine Autarkie von rund 36 Prozent und senken unsere Stromkosten um etwa 14.000 Euro pro Jahr. Die Förderung der Region Hannover war dabei ein entscheidender Baustein, um diese wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Investition umzusetzen, wir erwarten die Amortisierung in rund zwölf Jahren.“

Darüber hinaus hat die Region Hannover neue Förderprogramme in Vorbereitung: Der sogenannte Solar-Baukasten mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro bündelt mehrere Förderbausteine und soll bald an den Start gehen. Geplant sind unter anderem Zuschüsse für Balkon-PV in der Wohnungswirtschaft, die Ertüchtigung des Hausanschlusses für PV-Anlagen und Batteriespeicher.

10,7 Millionen Euro stehen für Investitionen in PV-Pilotprojekte bereit. Gedacht ist der Topf für innovative Vorhaben, für die es noch keine Standardlösungen gibt oder die wirtschaftlich schwer darstellbar sind, etwa Parkplatz-PV-Anlagen oder Agri-PV. Die Region will damit gezielt Anschubfinanzierungen geben, damit solche Projekte trotz höherer Hürden umgesetzt werden und als sichtbare Leuchttürme für den weiteren PV-Ausbau in der Region wirken.

Außerdem will die Region Hannover den PV-Ausbau auf kommunalen Liegenschaften vorantreiben. Im Investitionsprogramm sind dafür 2 Millionen Euro vorgesehen. Damit sollen die Regionskommunen bei der Planung entlastet und der Ausbau auf Dächern öffentlicher Gebäude schneller vorangebracht werden – gerade dort, wo in den Verwaltungen oft Personal oder Planungskapazitäten fehlen.

Für zusätzliche Investitionen in den Ausbau von Erneuerbaren Energien soll zukünftig auch eine regionseigene Energiegenossenschaft sorgen. Sie soll noch in diesem Jahr an den Start gehen und Einwohner*innen ermöglichen, sich finanziell direkt an regionalen erneuerbaren Energieanlagen zu beteiligen. Die Idee dahinter: Wertschöpfung und Erträge sollen stärker in der Region bleiben, zugleich soll die Akzeptanz für die Energiewende steigen.

Welche Maßnahmen stecken hinter natürlichem Klimaschutz und Klimaanpassung?
 

Die mit Abstand größte Einzelmaßnahme im Investitionsprogramm ist der Flächenkauf zur Moor- und Gewässerrenaturierung mit 82,5 Millionen Euro. Jens Palandt erklärt den Hintergrund: „Gesunde Moore sind riesige CO2-Speicher. Entwässerte Moore setzen in der Region Hannover dagegen große Treibhausgas-Mengen frei. Mit Flächenkäufen und Renaturierung in großem Umfang stellen wir sicher, dass die Moore nicht das Puzzlestück sind, das die Klimaneutralität der Region verhindert, sondern sie zukünftig wieder als Speicher zur Verfügung stehen.“

Dabei will die Region Hannover nicht nur auf eigene Mittel zurückgreifen, sondern auch weiterhin konsequent auf Fördermittel von EU, Bund und Land zurückgreifen. Wie das gelingen kann, zeigt das gerade angelaufene Projekt „RePeat“: Für insgesamt 34 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren drei Moorgebiete in acht Regionskommunen wiederhergestellt. 12 Millionen Euro davon trägt die Region selbst, weitere 12 Millionen kommen vom Land als Projektpartnerin, die EU fördert mit 10 Millionen Euro.

Die bestehende Förderung von Klimaanpassungsmaßnahmen soll mit einem Gesamt-Investitionsvolumen von 13,5 Millionen Euro verstetigt und ausgebaut werden. Das Programm kann von Kommunen und Sportvereinen zum Beispiel für die Anschaffung von smarten Bewässerungsanlagen oder Zisternen sowie für Beschattung oder Entsiegelungen von Flächen abgerufen werden.

Wie sollen Kommunen und Wirtschaft bei der Transformation unterstützt werden?


Für die kommunale Wärmeplanung und ihre Umsetzung sind im Investitionsprogramm 18 Millionen Euro vorgesehen. Die Region will so wirtschaftlich knappe, aber klimapolitisch sinnvolle Projekte möglich machen. Das Geld soll dort helfen, wo Städte, Gemeinden oder Stadtwerke Wärmeprojekte zwar anschieben wollen, Kosten aber nicht vollständig über Bundes- und Landesprogramme gedeckt werden. Gefördert werden sollen insbesondere Vorhaben zur Erschließung von Wärmequellen und zur Verteilung über Wärmenetze oder der Erhalt von bestehenden Biogasanlagen nach Auslaufen staatlicher Förderung, um den ländlichen Raum weiter mit nachhaltiger Wärme zu versorgen.

15 Millionen Euro will die Region in die energetische Sanierung im sozialen Wohnungsbau investieren. Die Mittel sollen vor allem dort ansetzen, wo Gebäude heute noch schlechte energetische Standards haben und hohe Emissionen verursachen: im finanziell schwächeren Wohnumfeld. Gefördert werden sollen innovative Sanierungsansätze wie das serielle Sanieren.

Für die Innovationsförderung im Bereich Energieinfrastruktur und Sektorenkopplung sind 7,85 Millionen Euro eingeplant. Damit sollen unter anderem Energieversorgungsunternehmen, Netzbetreiber, Kommunen und Projektierer bei Investitionen in die intelligente Netzanbindung erneuerbarer Erzeugungsanlagen, in die Digitalisierung von Netzen sowie in Pilot- und Demonstrationsprojekte mit sektorübergreifendem Ansatz unterstützt werden. Konkret geht es darum, Strom-, Wärme- und Mobilitätsnetze besser miteinander zu verknüpfen, digitale Energiemanagementsysteme voranzubringen und damit die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.

Weitere 7,5 Millionen Euro sind für Projekte der kommunalen Wärmewende vorgesehen. Hier geht es konkret um Unterstützung für Privathaushalte, Investoren von Neubaugebieten, Wohnungsbaugesellschaften und weitere Akteure bei Themen wie oberflächennaher Geothermie, Energiepfählen, Flächenkollektoren oder Erdwärmekörben.

Welche wirtschaftlichen Chancen stecken im Investitionsprogramm Klima?
 

„Das Investitionsprogramm ist nicht nur ein großer Beitrag zum Klimaschutz, es hilft auch dabei, uns in den nächsten Jahren einen erheblichen wirtschaftlichen Standortvorteil zu erarbeiten“, sagt Jens Palandt. Ende 2025 hat eine Wertschöpfungsstudie im Auftrag der Region gezeigt, dass eine ambitioniert umgesetzte Energiewende bis 2035 unter anderem zusätzliche Investitionen von rund 24,9 Milliarden Euro auslösen und den Regionskommunen zusätzliche Steuereinnahmen von rund 470 Millionen Euro sichern kann. „Das Investitionsprogramm wirkt durch gezielte Anreize als Hebel für Milliarden-Investitionen. Damit machen wir unsere Region unabhängiger von Energieimporten und erhöhen gleichzeitig unsere Innovationskraft und Wettbewerbsstärke.“

Wo gibt es Informationen zu allen Maßnahmen des Programms?
 

Detaillierte Informationen zu den insgesamt 25 Maßnahmen des Investitionsprogramms Klima stehen unter www.hannover.de/klimaschutz bereit.